Stefan  Demming


Low Resolution Cinema

Installation für öffentliche Räume


LRC, seitlich [link 01]

LRC, seitlich

Kurzdarstellung

Kurzbeschreibung

Ein Film wird vom Montior abgefilmt, Kommentare aus einem Gespräch über einzelne Szenen und Hintergründe werden quasi “live” in den Originalsoundtrack integriert.
Für "Low Resolution Cinema" wird der Film im Computer zunächst auf zwölf Pixel skaliert und entfärbt. Fortwährend wird die Helligkeit jedes Pixels gemessen und an eine Glühbirne weitergeben. Jedes Pixel steuert eine Aussenleuchte, die die entsprechende Position in einer Matrix (4 zu 3) einnimmt.
So wird der Film in seinen Helligkeitswerten übersetzt und an einer Häuserwand installiert. Wegen der niedrigen Auflösung sind daher keine konkreten Dinge mehr zu erkennen. Dagegen werden Bewegungen des Lichts innerhalb des Films wichtig, und die einzelnen Glühbirnen scheinen auf den Soundtrack individuell zu reagieren.

KünstlerInnen / AutorInnen

  • Stefan  Demming, Student, HfK Bremen

MitarbeiterInnen

  • Stefan Demming

Entstehung

Latvia, 2005-2006

Partner / Sponsoren

GAK Bremen, Vilnis Gavars (Lv)

Eingabe des Beitrags

stefan demming, 07.02.2006
stevandeming@web.de [link 02]

Kategorie

  • künstlerische Arbeit

Schlagworte

  • Themen:
    • Abstraktion
  • Formate:
    • Film
  • Technik:
    • Digitales Video

Inhalt

  • › Prof. Ursula Frohne (IUB Bremen), Kuratorin von "Baltic Drift" zu LRC [PDF | 60 KB ] [link 03]
  • › LRC Videodoku-auszug [5 MB ] [link 04]
  • ›  [5 MB ] [link 05]

Inhaltliche Beschreibung

Während immer hochauflösendere Bildformate im Fernsehen und Videobereich Einzug halten, geht es in "Low Resolution Cinema" zunächst um die radikale Verringerrung der Bildqualität eines Films auf drei mal vier Pixel. Diese abstrahierte Filmversion wird auf plastische Glühbirnen in Halterungen, wie sie auch für Keller- und Aussenbeleuchtungen verwendet werden, übertragen. Ein solches Licht mit nicht vorhersehbaren Intensitäten und Schwächen gleicht darin manchmal einem Blatt im Wind. Die Lichter untereinander scheinen aber manchmal auch voneinander abhängig oder miteinander vernetzt zu sein: ein Schnitt im Ursprungsfilm lässt alle Lichter auf einmal reagieren, ein sich durch den Bildausschnitt bewegender Gegenstand oder Mensch macht die Nachbarschaft der „Pixelbirnen“ beobachtbar.

"Low Resolution Cinema" kann als poetisches Dispositiv verstanden werden, um aus Filmen Lichtskulpturen zu machen. Der zugehörige Soundtrack gewinnt dabei an Autonomie als Hörspiel. Stärker als Projektionen oder (herkömmliche) Displays strahlt das durch die Glühbirnen erzeugte Licht auf die Umgebung und kann so Orte bespielen.

Mit "Low Resolution Cinema" können unterschiedliche Filme gezeigt werden, bestenfalls mit einem ortspezifischen Bezug.
Die erste (und bisher einzige) Aufführung sollte in Riga (Lettland), der Partnerstadt Bremens, anläßlich eines Videofestivals stattfinden.
Hier sollte der „GAK-Satellit“ landen, ein Projekt, das Bremer KünstlerInnen in andere Länder schickt. Ursula Frohne von der IUB Bremen war die Kuratorin dieses Projekts.

Da ich für "Low Resolution Cinema" einen Film wählen wollte, dessen Soundtrack die meisten Menschen dort verstehen sollten, recherchierte ich zum lettischen Film. Dabei stieß ich auf die (im Nachhinein) sogenannte „Rigaer Schule des poetischen Dokumentarfilms“ (Riga school of poetic documentary). Besonders faszinierte mich darunter „235.000.000“, in dem Uldis Brauns 1967 nach einem Drehbuch von Herz Frank versuchte, ein kollektives Portrait der Menschen in dem damaligen Vielvölkerstaat UDSSR zu entwerfen. Entscheidend dabei war der filmische Blick auf die Menschen selbst, die als Persönlichkeiten wahrgenommen wurden. Erklärender Off-Kommentar hingegen fehlt völlig, allein einige Sätze Russisch und sogar Deutsch sind bei einem Treffen von Staatsrepräsentaten zu vernehmen.

Die Suche nach dem Film in Riga brachte mich über das Filmmuseum und eine Produktionsfirma zum Kinematografischem Institut (Latvian National Cinematography Centre), wo mir Andrejs Apsitis schliesslich die Genehmigung zur Verwendung des Films für "Low Resolution Cinema" von Uldis Brauns persönlich per Telefon besorgte. Andrejs kommentierte dann auch den Film während wir ihn uns ansahen und ich ihn für "Low Resolution Cinema" abfilmte.

So transformierte ich nicht nur den 35mm-Film im Stil einer Raubkopie auf Video, sondern konnte auch persönliche Ausschnitte wählen. Ausserdem collagierten sich die gesprochenen Hintergrundinformationen in den Soundtrack, wodurch in der Installation auch der Film, der nicht mehr erkennbar ist, beschrieben wird.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort fand ich ein grosses, graues leerstehendes Universitätsgebäude mit Spritzbetonfassade aus den Siebziger Jahren. Es war neben dem Rathaus, zentral in der ansonsten recht aufgemotzten Rigaer Innenstadt gelegen.

Ursprünglich wollte ich auch einen Low Resolution Sound über ältere „Propagandahörner“, Aussenlautsprecher wie sie auch auf Booten oder in Werkshallen verwendet werden, verwenden. Leider waren diese in Riga aber nicht mehr zu finden.

Technik

Technische Beschreibung

Die Software „LRC“ skaliert den digitalisierten Film auf zwölf Pixel und stellt diese in einer Matrix dar. Außerdem wird dem Film die Farbe entzogen, um allein die Helligkeit der zwölf Filmbereiche messen zu können.
Diese Werte werden als Midiwerte über ein USB-Midi-Interface an ein Dimmerpack weitergegeben und alle 40 Millisekunden aktualisiert. Jedes Pixel steuert einen anderen Kanal. Audio wird direkt ausgespielt und per Verstärker an den Außenlautsprecher weitergegeben.

Hardware / Software

12 Außenleuchten (je 100 W), 3 DMX-Dimmerpacks (über Midi ansteuerbar), 1 USB-Midi-Interface, 1 Mac G4, 1 Kanal Audio, Außenlautsprecher, selbst erstellte Software "LRC"; LRC“ wurde mit Max/jitter erstellt und läuft auf Mac OsX 10.3.9

Kontext

Hochschule / Fachbereich

Hochschule für Künste Bremen
Freie Kunst

URL der Hochschule

» http://www.hfk-bremen.de [link 06]

Betreuer des Projekts

prof. Jean-François Guiton

Kommentar des Betreuers

Die Arbeit "Low Resolution Cinema" von Stefan Demming repräsentiert eine der möglichen Richtungen innerhalb seiner künstlerischen Entwicklung. Seit langem beschäftigt er sich mit der Wirkung von Bildern und Montage auf den Zuschauer, mit den Wechselwirkungen zwischen Zuschauer und dem Komplex Bild/Ton, sowohl in der "klassischen" Form eines Videofilms als auch in interaktiven Installationen. Wieviel Information ist notwendig um einen Inhalt zu transportieren? Unter welche Schwelle kippt die ursprüngliche Information in eine andere oder in ein Nichts? Was passiert mit dem Zuschauer wenn er mit dieser minimalen Information konfrontiert wird? Alle diese Fragen suchen in der Arbeit von Stefan Demming eine poetisch-künstlerische Antwort.
Es geht nicht darum, irgendwelche gut aussehende Tabellen zu schaffen, die vortäuschen wollen, wissenschaftlich zu sein. Stefan Demming möchte den Zuschauer an den Punkt bringen, wo er sich selber diese Fragen stellt, wo er merkt, dass etwas trotz aller Reduzierung, trotz aller Verkomplizierung etwas mit ihm passiert, und er gereizt wird, diesem nachzugehen. In dieser Zeit des High Definition Television ist es ein schönes Paradox sich mit "Low Resolution Cinema" auseinander zu setzen, die zu oft gemachte Verkoppelung von inhaltlicher und technischer Qualität, die Gleichstellung von Quantität und Qualität zu hinterfragen. Es ist gleichzeitig eine Form von Hommage, von Erinnerung an die Anfänge des elektronischen Bildes.

Seminar / Kurzbeschreibung

Die Einbindung in die Lehre ist, wie üblich und bekannt für die freie Kunst, ein Teil der persönlichen Entwicklung des Studenten und nicht Ergebnis eines kleinkarierten, modularisierten bachelormäßigen Seminars. Aus der Beschreibung des Atelier für Zeitmedien: “Das Atelier ist ein Raum des forschenden Experimentierens und Gestaltens in Zeit – ein Netz, in dem sich künstlerische, wissenschaftliche, technische und theoretische Impulse verdichten zu Bildung, Reflexion und Produktion.
Persönliche Strategien und Vokabularien der Intervention entstehen im Spannungsfeld von Fremdzeit und Eigenzeit, Heterotelie und Autotelie des Mediums: Klang – Bild – Skulptur, Verschränkung von Zeit und Raum, reale und virtuelle Verräumlichung.“

  • › digital sparks 2006 [link 07]

» http://stemming.free.fr [link 08]

  • › Prof. Ursula Frohne (IUB Bremen), Kuratorin von "Baltic Drift" zu LRC [PDF | 60 KB ] [link 09]
  • › LRC, (im Hintergrund das Rigaer Rathaus): animierte Sequenz [486 KB ] [link 10]
  • › aus: Uldis Brauns, 235.000.000, (UDSSR 1967; vom Monitor abgefilmter Ausschnitt, St. D.) [JPEG | 37 KB ] [link 11]
  • › LRC am verlassenen Gebäude der Uni in Riga [JPEG | 17 KB ] [link 12]
  • › LRC Videodoku-auszug [5 MB ] [link 13]
  • ›  [5 MB ] [link 14]