Patrick Burkert

fogpatch

Rekonstruktion einer Körperspannung

Bensegrity Arbeitsmodell - Symbiose aus Max Bense und der Golden Gate Bridge

Bensegrity Arbeitsmodell - Symbiose aus Max Bense und der Golden Gate Bridge

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Inhaltliche Beschreibung

Der Kybernetiker Max Bense erlebt im Alter von knapp 60 Jahren den Einbruch des Irrationalen durch den eigenen Leib. Während eines viertägigen Aufenthalts in San Francisco im August 1969 verpasst er den Bus in Sausalito. Bense geht zu Fuß über die Golden Gate Bridge zurück in die Stadt und dabei kommt dem Physiker ein hochkomplexes Partikelsystem in die Quere. Das Hereinbrechen einer Nebelwand vom Pazifik lässt die Temperatur augenblicklich um 15° C sinken, der Fog verschluckt die Parabel der Stahlkonstruktion und verschlägt dem "Wort- und Gestengenerator" (Harry Walter, 1994) die Sprache. Der Schock löst bei Bense in der darauf folgenden Nacht eine Nierenkolik mit Todesangst aus. Erste Artikulationsversuche und eine Verarbeitung des Erlebnisses findet sich in dem Text Existenzmitteilung aus San Franzisko. Der dabei ersehnte Körperzustand ist vollkommen ent-nervt. Während Jimmy Hendrix in Woodstock mit seiner E-Gitarre verschmilzt, möchte Bense nur noch wie Haar sein, fest und fein, sensibel, wortlos und schmerzlos. ohne jede Schwingung. Der prätentiöse Text erscheint 1970 in einer Auflage von 100 Exemplaren als bibliophile Publikation mit Originalradierungen der Künstlerin Helgart Rothe.

Ausgerechnet die mathematische Formkonstruktion der Golden Gate Bridge wird dem Informationsästhetiker zum Verhängnis. Die alternativen Konzepte des Raster- und des Nebelkörpers treffen aus der Fußgängerperspektive zwischen "technischem Rauschen und sinnlichem Rausch" (Holl 2002) aufeinander. Das Projekt fogpatch inszeniert diesen Konflikt in Form einer Medieninstallation und Tanzperformance. Im Zentrum der Installation steht ein kybernetisches Objekt, das eine konzeptionelle Synthese des verspannten Bauwerks mit Max Bense darstellt. Besucher befinden sich in der Rolle von Passanten, die diesem Objekt zufällig begegnen. In Form von Videoprojektionen, Soundcollagen und interaktiven Elementen haben sie die Möglichkeit, die Situation auf der Brücke zu erfahren und in Benses Text der "Existenzmitteilung aus San Franzisko" einzusteigen.