Michael Markert

Politician's Speech

Interaktives Rednerpult (Sprachmaschine)

Sensory Realtime System

Sensory Realtime System

Inhaltliche Beschreibung

kIII/Politician‘s Speech ist eine interaktive Installation. Der Benutzer kann durch Gestikulieren eine Rede zu einem brisanten politischen Thema seiner Wahl halten.

Die Installation besteht aus einem Rednerpult und mehreren Distanzsensoren. Das Pult ist als politische Pressekonferenz inszeniert. Durch Gestik kann der Benutzer eine computergenerierte Stimme erzeugen und deren Parameter in Echtzeit verändern. Folgende Parameter und -typen können gestisch kontrolliert werden:
- Markov-Text Trigger (Textausgabe)
- Phonem (Kieferöffnung, Zungenposition)
- Tonhöhe (Harmonisiert!)
- Rhythmus (Notenwerte, BPM, Master/Slave Sync)
- Spannung (Tense, Stress, Modulation und Geschwindigkeit)

Neben den phonetischen Gesetzen sind auch Funktionen einer zufallsgesteuerten Spracherzeugung implementiert, die durch statistische Auswertung von Buchstaben- und Wortverteilung eines Ausgangstextes (mit Hilfe von mathematischen Markov-Ketten) in Echtzeit neue Phrasen generieren können. Dabei dient ein Ausgangstext zur Ermittlung der statistischen Werte - damit ist die Eingabe nicht an eine (Fremd-)Sprache gebunden. Der Ausgabetext, erzeugt auf die gestische Handlung, wird zufallsgesteuert neu zusammengesetzt, wobei der Eindruck eines Sinnzusammenhangs entsteht.

In Anlehnung an die politische Redekultur vor Medienvertretern, die durch Wortwahl und Ausdrucksweise den Inhalt oft entweder verschleiern oder zu positivieren versuchen, ist hier dem Bürger selbst die Möglichkeit gegeben, sich diese Ausdrucksweise durch körperliche Handlung einzuverleiben. Durch die Zufallssteuerung entstehen häufig absurde Formulierungen, die im Sinne der fröhlichen Wissenschaft die Erweiterung des Verständnisses der Sprache und die Vorführung unlogischer Argumentation in gut formulierte Sprachhülsen.

Die Stimme als privateste Ausdrucksform im Sprechakt wie auch im Gesang ist gekennzeichnet durch das Hervorbringen von Bedeutung durch Artikulation verschiedenster Körperteile. Die Imitation des Sprechens durch Maschinen war und ist Gegenstand der historischen und aktuellen Forschung. Die Trennung der Bedeutungsebene von der klanglichen Erscheinung trat kunsthistorisch schon in Erscheinung, meist jedoch als performative Aufführung komponierter Sprach(-loser) Arien. In der technischen Entwicklung stellt die Hervorbringung verständlicher Bedeutung das bevorzugte Ziel datenverarbeitender Programme und Schaltkreise dar.

Die zur Erzeugung menschlicher Sprache verwendeten Verhaltens- und Ausdrucksmechanismen sollen Gegenstand der Untersuchungen sein. Dabei interessiert nicht die Reproduktion von Bedeutung als Kommunikationszweck, sondern die Produktion von Verhalten durch Interaktion. Die elektrische Stimme soll nicht Imitat sondern Instrument sein. Die entstehende Sprache geht durch den verhaltensbasierenden Ansatz jedoch weit über reine lautpoetische Experimente hinaus:
Der Besucher wird aufgefordert, eine nicht näher spezifizierte Verhaltensweise auszuüben, um eine bedeutungslose Stimme zu steuern, die durch einen Rückkopplungseffekt wiederum seine Verhaltensweise beeinflusst und dadurch Bedeutung im Betrachter der Aktion oder dem Handelnden selbst auszulösen (kybernetische Apparatur zur Erzeugung systemtranszendenter kinetischer Energie)