Monika Fleischmann, Wolfgang Strauss, Christian-Arved  Bohn (vers.1)

Liquid Views

The Virtual Mirror of Narciss

Liquid Views, 1993/2008 (c) Monika Fleischmann, Wolfgang Strauss

Liquid Views, 1993/2008 (c) Monika Fleischmann, Wolfgang Strauss

Content Description

(ONLY AVAILABLE IN GERMAN)
Ein Touchscreen-Monitor ist in einen kubischen Sockel eingelassen. Dort ist das grafisch simulierte Bild einer Wasseroberfläche in Bewegung zu erkennen. Sie wird untermalt von einem leisen Geräusch, wie Wasserrauschen. Eine Videokamera ist im Rahmen des Sockels eingelassen. Sie ist außen nicht zu entdecken und filmt den neugierigen Betrachter, der sich über den Bildschirm beugt. Sein Bild, resp. die Videosignale seines Bildes werden in Echtzeit digitalisiert und als Live-Video-Textur in das simulierte Wassers projiziert. Dort werden sie Pixel für Pixel mit dem Touch-Interface verbunden. Der Bildschirm ist über seine gesamte Fläche hinweg sensitiv. Berührt der Benutzer ihn, generiert er Wellenbewegungen in der virtuellen Wasserfläche. Er verändert sein Abbild durch das einfache Gleiten mit seiner Hand. Es entsteht der Eindruck einer Spiegelung in der Wasseroberfläche, in der das eigene Bild immer wieder neu durch die Bewegungen konfiguriert wird und zerfließt.
Der Spiegel ist Ort der Selbsterkenntnis. Eine Wasseroberfläche wird häufig damit assoziiert. Mit Hilfe der interaktiven Medientechnik wird der uralte Menschheitstopos der Selbsterkenntnis thematisiert. Er fließt quasi in eine neue Bildform ein: wir selber sind Akteur, Bildobjekt und Bildautor zugleich. Wir werden beobachtet, beobachten und gestalten diese Beobachtung.
Das Live Bild und das Echtzeit Morphen ermöglichten direkten und unmittelbaren Einfluss. Es ergeben sich immer wieder neue Perspektiven auf unser dort wiedergegebenes Selbst. Die Manipulation der digitalen Prozesse liegt in der Hand des Benutzers. Durch die Berührung wird diese Interaktion zu einem Vorgang des digitalen Modellierens: das mediale Double ist formbar, eine virtuelle Gestalt. Die digitalen Techniken produzieren das mediale Abbild im virtuellen Raum. Algorithmen verfremden es. Diese Eigengesetzlichkeit des künstlichen, virtuellen Raumes erzeugt ein Spannungsverhältnis zur realen, materiellen Präsenz.