Dateien
- › Artistic Concepts and Production in Extended Performance. Monika Fleischmann, Jasminko Novak, Wolfgang Strauss, Mette Thomson. eRENA Deliverable 4.2. May 1998 [PDF | 188 KB ]
- › Paramatrix, Henry Schmidt, Benjamin Seide 1995 [JPEG | 33 KB ]
- › Traces im CAVE: Voxel-Körper-Raum-Interaktion, 1998 [JPEG | 54 KB ]
- › Traces - Simon Penny 2001 [JPEG | 197 KB ]
- › Traces: Embodied Immersive Interaction with Semi-Autonomous Avatars. Simon Penny et al. Oct 2000 [PDF | 260 KB ]
- › Traces Dancer - Simon Penny [JPEG | 197 KB ]
- › Telepräsenz. Zu Genealogie und Epistemologie von Interaktion und Simulation. Oliver Grau. In: Peter Gendolla, Suhrkamp 2001 [PDF | 190 KB ]
Inhaltliche Beschreibung
Cyberstar winner 1995: Paramatrix
von Henry Schmidt & Benjamin Seide
Concept for virtual worldwide corporation
In brief:
It's not about matters nor about objects, it's how they are organized. A computer shaped like a bear - PARABEAR - takes care of that. Depending on needs and program, he'll be researcher, advisor or therapist within the multi-media-data-network. Because nothing works without "Cyber-space": There will be the PARAMATRIX. A 3-dimensional, virtual, permanently growing net. Clearly shaped. Every participant of the net, surfer and so on, gets his own virtual box. His virtual mailbox, living room, playground, laboratory, studio, TV-station, temple... Along with the empty box goes a "shaping-tool-set", an "importing bucket" and a "counseling lesson with the green guru". Every inhabitant can use the shaping tools for creating his own home. 1-Parabyte saving volume (storage) is available. To enable neighbors to visualize each other, there will be some personal wallpaper on the outside of each box. Through the contactubes (MATRIX) the net-users can visit each other. For business, for politics, privately - as they please. Whoever doesn't feel like looking at more colorful pictures or just wants some rest, relaxes with floating orangeblue...
Konzept für einen virtuellen Weltkonzern.
Kurz:
Nicht die Dinge, sondern die Organisation der Dinge: Ein bärenförmiger Computer - PARABÄR - kümmert sich darum. Je nach Wunsch und Programm als Finder, Berater oder Therapeut im multimedialen Datennetz. Weil man um Cyberspace nicht drumrum kommt: Die PARAMATRIX. Ein dreidimensionales, virtuelles, stetig wachsendes Netz. Klare Grundform. Jeder Netzteilnehmer, Surfer usw. kriegt seine eigene Kiste, seinen virtuellen Briefkasten, Wohnzimmer, Spielplatz, Laboratorium. Atelier, Sendestudio, Tempel...
Zu der leeren Kiste gibt es ein "Modellierwerkzeug-Set", ei-nen "Importiereimer" und eine "Beratungsstunde beim grünen Guru". Mit den Modellierwerkzeugen kann sich der neue Mieter nun ans Ausstaffieren seiner "Kiste" machen. Ein Parabyte Speichervolumen steht ihm zur Verfügung. An die Außenseite des Würfels noch eine Tapete, damit sich die Nachbarn ein Bild machen können. Durch die Kontaktröhren (MATRIX) kann man jeden Netzteilnehmer besuchen. Geschäftlich, politisch, privat - wie man will. Wer keine Lust hat auf immer mehr bunte Bilder, oder wer einfach etwas ausruhen will, entspannt sich bei fließendem Orangeblau...
Etwas länger:
Unabwendbar - der Fernseher der Zukunft wird eine "Alles-in-ein-Kiste" sein. Ein Computer also, der empfängt und sendet wie ein Telefon und ein Fax und alles, was es eh schon gibt in eins. Als Kiste vielleicht kaum erkennbar, weil briefmarken-flach, aber alles drin, was man sich derzeit unter "Info-High-way" vorstellen mag und ein elektronischer Webstuhl auch und Cyberspace - natürlich, denn da kommt keiner drumrum, vielleicht.
Produzenten von multimedialer Software wird es - zumindest absehbar - immer geben: Politiker und ihre Freunde, Autorei-fen- und Pornoproduzenten, Urlaubsfilmer, Sekten und wirk-lich gute Journalisten. Die Gleichberechtigung dieser Produ-zenten wird eine wesentliche Bedingung für eine neue Quali-tät sein, die mit rasend zunehmender Programmvielfalt schon eingeläutet wurde.
Nicht die Dinge an sich gewinnen an Bedeutung, sondern die Organisation der Dinge. Konkret: wenn man eine Kiste hat, die am Netz hängt, wo alles und immer mehr drin ist, dann kann man alles haben. Jedes Einzelteil und jede er-denkliche Kombination. Tausend Parameter, an denen man rumdrehen kann wie beim Übereinanderlagern von Filtern, mal sehn, was rauskommt. Umgekehrt, umgekehrt. Ein Bilderparadies kann zur "Multimedia-Hölle" werden, wenn man keinen guten Freund hat. Darum:
Der Parabär:
Der Parabär ist ein externer Computer. Draußen, damit man ihn sehen und angrabschen kann. Damit an sich Unsichtbares eine Form hat. Eine abstrakte Bärenform, weil er wie vermut-lich kein anderes Ding eine universelle Vertrauensfigur ist. Fast jeder hat oder hatte einen, aber jeder ist ganz und gar der eigene urpersönliche (Para-)Bär. Der Parabär organisiert die Dinge. Je nach Wunsch banal oder genial. Wenn man will, sucht er einem aus dem großen großen Datennetz alle Sen-dungen mit Heidi Kabel von vor 1984 raus, sofort, oder jeden Montag um neun oder alle Western, in denen Skalpierung vor-kommt oder doch zumindest ausgesprochen wird. Das wäre die banale Ebene. Finder Funktion. Oder: Ich interessiere mich für alte Klassiker, gute Tierfilme und Afrika. Such mir doch was Anspruchsvolles raus. Empfehlung je nach Programm.
Oder um die Ecke: Ich bin Grundschullehrerin, würde aber eigentlich viel lieber als Domina arbeiten, aber tief in meinem Innern glaube ich, daß das alleinige Befriedigen der Sinne ein Scheiß ist und eigentlich (eigentlich-eigentlich) ist es mein Traum, einen rothaarigen, naturverbundenen, umkomplizierten Mann zu lieben und Kühe zu melken - bin ich schizophren?
Der Parabär empfiehlt 24 Stunden Roadrunner (mit dem Kojoten), dann eine Woche Fernsehstop und dann kochen wir uns eine serbische Bohnensuppe mit dem kroatischen Fern-sehkoch. Je nach Programm. Programmiert wird der Bär ent-weder durch den Benutzer selbst über Fenster, Laserpistolen, Konsolen, Spracheingabe, Motion-Control oder durch einen geschulten Fernsehberater. Der kennt sich aus im Netz und weiß, was man aus einem echten Parabären alles rausholen kann. Ärzte, Süßwarenhersteller und Gurus könnten ihre ei-genen Programme entwickeln, die man auf Wunsch seinem Parabären einspeisen kann. Der Parabär ist insofern eine kleine leere Kiste, die offen ist für alles, aber er steht drau-ßen, und wenn man nicht mehr mag, kann man ihn unachtsam auf den Boden fallen lassen.
Nebenbei speichern Parabären - wenn man das denn will - alle Datenverzeichnisse, die durch sie hindurchgewandert sind. Hatte der eigene Großvater einen Parabären, so kann man sich an vielen ruhigen Wochenenden antun, was er sich angetan hat, und so im übertragenden Sinne nocheinmal durch seine Augen sehen. Parabärentausch kann ein echter Liebesbeweis sein. Eine Woche durch die Augen der Ange-beteten sehen. Sehen, was sie auch sah oder sehen würde, während sie... Eine Generation Parabären - gesammelt - heißt somit eine Generation Bildarchiv. Wissen, wer sie waren, was sie wollten, diese Para-Generation, später mal.
Wer keine Lust hat, in flachen Wahlmenüs Bilder aus dem Netz zu ziehen, wer also wirklich durchs Netz fliegen will, braucht mehr:
Die Paramatrix:
Die Paramatrix ist ein dreidimensionales virtuelles Netz.
Jeder Netzteilnehmer ist gleichberechtigt. Egal ob er - jawohl - Pornoproduzent, Faschist, wirklich guter Journalist oder reiner Konsument ist. Er kriegt eine leere Kiste - Paracube - mit einem Parabyte Speichervolumen, ein Modellierwerk-zeugset und einen Importiereimer. Je nach Geschmack, Pro-duktionsinteressen und virtuellem Geschick kann sich der Netzteilnehmer seinen Paracube einrichten. Blümchentapete, Nut & Feder, Blubberblasenknete, Camouflage, kanadischer Riesentannenwald oder Sendestudio. Eine Tapete an der Au-ßenseite des Würfels (ebenfalls vom Würfelinhaber nach Wunsch zu gestalten) kommuniziert deren Inhalt oder auch nicht. Nicht überall, wo Tannenwald drauf ist, muß Tannen-wald drin sein. Zumindest hilft es, sich zu orientieren.
Jeder neu hinzugekommene Paracube muß an wenigstens einer seiner sechs Kontaktröhren an das Netz angeschlossen sein, soweit möglich werden Nachbarschaftswünsche be-rücksicht. Der Netzteilnehmer kann nun durch die Röhren die anderen Netzteilnehmer besuchen, ihre Räume besichtigen, mit ihnen diskutieren, streiten, virtuellen Sex haben oder mit - jaja - virtuellen Chinavasen um sich werfen.
Er kann einfach seinen Geschäften nachgehen, neue Kunden für die eigene Seifenfabrikation gewinnen, virtuell kommun-istische Experimente machen, spielen, oder einfach nur Spaß haben... Die interessante Reportage über die Schattenseiten der virtuellen Kommunikation oder den Bürgerkrieg in Indien-Arizona von Angesicht zu Angesicht bei einem virtuellen La-gerfeuer in der Kiste des betreffenden Journalisten, auf Wunsch mit realistisch anmutendem Fußmarsch entlang der Frontlinie...
Jede Kiste ist damit ein Sender. Spaß oder Ernst, das liegt im Auge des Betrachters. So kann man einer extremistischen Vereinigung aus wirklicher Überzeugung oder aus bloßer Lust am Räuber-und-Gendarm-Spiel beitreten. Mögliche Folgen für die wirkliche Welt unterliegen dem eigenen Kalkül. Soviel Vertrauen muß sein, wenn man ein wirkliches Netz will. PC-Wächterprogramme widersprechen dem offenen Netz.
Natürlich ist das paramatrische System nach unten kompa-tibel. Man kann also in seiner eigenen "Sendekiste" Dinge produzieren oder darbieten, die der "ganz normale" TV-Guk-ker dann auf seiner TV-Fläche empfangen kann. Oder man verwendet das virtuelle Netz nur als dreidimensionales Ar-chiv. Hat man gefunden, was man will, packt man es in seine Exportiertasche und nimmt es mit nach Hause, um es dort in der wirklichen bzw. wirksamen Welt aus sicherem Abstand zu konsumieren, weiterzuverarbeiten, weiterzureichen usw.
...not interested in certain contents but in the organisation of all sorts of contents. Contents should be understood here as everything wich can be presented in some way or another and which our senses therefore can perceive. No matter which purpose this serves. Because in future these things will merge... Parabear is a vision for a real product...use him instead of any invisible micro component...moreover take Parabear as an "archaic", sign for a friendly media future. Because... if you get lost in cyberjungle, TV interaction is not the final peal of wisdom... The matrix (Paramatrix) looks as if you had seen it already. This is desired. We took it from A.C.Escher and Escher took it from somebody else and our heads look similar, too: a knot develops where connection occurs...it seems to be the ideal structure for a three dimensional communication network: a black box with interfaces.
(c) Henry Schmidt März 1995 / Projekt: Paramatrix,
by Henry Schmidt & Benjamin Seide
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/HBKS/TightRope/issue.3/text/para.html
PARAMATRIX
Henry Schmidt, Benjamin Seide
Deutschland 1995 / 5 Min. / deutsch
12. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, 1995
Vision: Die Paramatrix. Ein dreidimensionales virtuelles, stetig wachsendes Netz. Klare, geordnete Grundform. Jeder Teilnehmer kriegt seine eigene virtuelle Kiste, den Paracube: virtueller Briefkasten, Wohnzimmer, Spielplatz, Laboratorium, Atelier, Sendestudio, Tempel… Dazu gibt es ein Modellierwerkzeug-Set, einen Importiereimer und eine Beratungsstunde beim grünen Guru (Parabär). Mit den Modellierwerkzeugen kann sich der neue Mieter nun ans ausstaffieren seiner Bude machen. Ein Parabyte Speichervolumen steht ihm zur Verfügung.
Die Paramatrix zog uns 1995 sofort in ihren Bann. Vielleicht wussten wir es damals noch nicht, sondern ahnten es nur: Die Paramatrix ist weder Phantasie noch Utopie. Sie ist nichts weniger als eine präzise Vision unserer vernetzten Medienrealität. Nur eins bleibt bis heute ein ungelöstes Rätsel: Wer ist der große grüne Parabär? (VK)
http://www.filmladen.de/dokfest/?page_id=2998
Programm
Cyberstar Preisträger 1998: TRACES
Simon Penny
Raum-Körper-Interaktion zwischen entfernten Teilnehmern
"Traces" thematisiert körperliche Präsenz im virtuellen Raum. In der CAVE-Installation agiert der Benutzer mit seinem Körper wie ein dreidimensionaler Pinsel in der digitalen Umgebung. Seine Körperbewegungen hinterlassen 3-dimensionale Spuren, die nach und nach autonom werden und mit denen der Benutzer wiederum durch Körperbewegungen interagieren kann.
http://netzspannung.org/database/143920/de
http://sammelpunkt.philo.at:8080/579/1/Grau2.pdf
http://www.ace.uci.edu/penny/texts/traces_embodied.html


