Christian Keck, Christoph Noe

Zum goldenen Apfel

Digitale Überwachung - Technologie der Macht

Nominiert für den
Digital Sparks Award 2003

Zum goldenen Apfel

Zum goldenen Apfel

Hochschule / Fachbereich

FH Mannheim
Gestaltung

URL der Hochschule

» http://www.gestaltung.fh-mannheim.de

Betreuer des Projekts

Prof. Kai Beiderwellen

Kommentar des Betreuers

Diese beeindruckende Arbeit von Christoph Noe und Christian Keck zeigt deren genaue Analyse und sichere Interpretation von Verhaltensmustern im überwachten öffentlichen Raum. Canettis virtueller Raum und Realität treffen hier interagierend aufeinander und werden sensitiv und direkt erfahrbar gemacht.
Die konsequente und technisch innovative Installation führt das Publikum in eine foucaultsche Situation von Überwachung und Strafe.
Die Besucher werden in Überwachte und Überwacher eingeteilt. Die von einer Exekutive aus uniformierten Ordnern sanktionierten Regeln erscheinen hier in Form von beweglichen virtuellen Mauern, die die Überwachten daran hindern sollen, zur ihrer eigenen Sicherheit in den Apfel der Erkenntnis zu beißen.
Virtueller- und überwachter Raum bilden sich in dieser Arbeit gegenseitig ab und bilden ein Spannungsverhältnis. Die Personen werden auf den Monitoren zu austauschbaren abstrakten Symbolen reduziert. Die Regeln/Mauern werden willkürlich durch den Überwacher gesetzt. Die im überwachten Raum befindlichen Personen werden zu "Regelbrechern", zu potentiellen Tätern. Die Überwachten werden zur Entwicklung von Überlebensstrategien genötigt. Dies führt wiederum zu einer aggressiveren Anwendung der willkürlich gesetzten Regeln, die an das von Peter R. Hofstädter beschriebene Milgram Experiment erinnern lässt. Das sich potenzierende Wechselspiel zwischen den immer diffizileren Überlebensstrategien und dem konsequenteren Einsatz der Regeln wird für alle Beteiligten durch den enormen Stress subtil erfahrbar.
Die Verletzlichkeit des Individuums wird hier durch die Interaktion im virtuellen Raum, anders als in entsprechenden Computersimulationen oder Videospielen, nicht aufgehoben.
Durch die Präsentation des Überwachers und seines Handelns im virtuellen Raum auf zwei parallel angeordneten Monitoren, ist die Unterscheidung von Opfern und Tätern auch für die unbeteiligten Betrachter aufgehoben. An diesem wichtigen Frontend der Arbeit entsteht eine starke Irritation und Verstörung der Zuschauer, die für mich die Klarheit und Stärke dieser Installation nochmals unterstreicht.

Seminar / Kurzbeschreibung

Die Arbeit ist im Rahmen des Wahlpflichtfaches "Human Interface Design" am Institut für interaktive Medien, FHTG-Mannheim, entstanden.
Das Thema dieses Seminars waren Kontrollsysteme und deren Auswirkungen auf die kontrollierten Objekte.
Das Selbstverständnis dieses Kurses lässt sich wie folgt beschreiben:
Die zunehmende Einführung von kommunizierenden Technologien in unseren Alltag, von der sprechenden Krawatte bis zum einkaufenden Kühlschrank, wird unser Kommunikationsverhalten nachhaltiger verändern als die allgemeine Einführung des Fernsprechers.
Als Designer sind wir Teil dieser Entwicklung und zugleich in der Pflicht diese Prozesse zu gestalten.
Dieser projektorientierte Kurs vermittelt das nötige Wissen, um im Spannungsfeld interaktiver Anwendungen und den damit verbundenen sozialrelevanten Auswirkungen, als Gestalter richtungweisend und praxisrelevant agieren zu können.
So bietet dieser Kurs von der designtheoretischen Auseinandersetzung, über die praktische Gestaltung der Benutzeroberflächen, bis hin zum Einblick in die Vorgehensweisen der Programmentwickler und Techniker, eine möglichst große Palette der neuen Gestaltungsaufgaben für Designer.

Zuordnung Forschungsbereich

Institut für interaktive Medien (IAM).
Die biologische Evolution des Menschen ist subjektiv zum Stillstand gekommen. Der evolutionäre Prozess ist an die Technik delegiert worden. Die Fenster in diese Welt sind die Bildschirme und Displays, vor denen wir sitzen, um an diesen Prozessen zu partizipieren und um diese steuern zu können.
Es eröffnet sich uns eine neue Welt, die dadurch charakterisiert ist, dass dort Wirkungen in spezifischer Weise erzeugt werden, nämlich nicht mehr energetisch-materiell, sondern durch Unterschiede, d.h. durch Information. Es ist eine Welt, die sich um Informations- und Kommunikationsprozesse dreht, die im Gegensatz zu der rundfunkartigen Abfertigung eines passiven Publikums Menschen mit Menschen verknüpft. Statt Einbahnstraßen gibt es Gegenverkehr, Widerspruch und Ermutigung.
Welche Rolle, welche Möglichkeiten und welche Verpflichtungen Design in dieser Welt hat, ist Gegenstand dieses Instituts.