Christian Keck, Christoph Noe

Zum goldenen Apfel

Digitale Überwachung - Technologie der Macht

Nominiert für den
Digital Sparks Award 2003

Zum goldenen Apfel

Zum goldenen Apfel

Inhaltliche Beschreibung

Das Spannungsfeld zwischen dem virtuellen Raum digitaler Medien und der Realität im Kontext der Überwachung, ist das Thema unserer Installation mit dem Projekttitel "Zum goldenen Apfel".
Drei Aspekte dieses Spannungsfeldes sind:
1. Verhaltensänderungen hervorgerufen durch den virtuellen Raum und dessen Bedingungen
2. Abstraktion der Identität einer Person durch den virtuellen Raum
3. Die Reversibilität von Opfer und Täter
Grundsätzlich lässt sich unsere Installation in einen inneren und einen äußeren Bereich aufteilen. Der innere Bereich stellt den Handlungsraum der Akteure dar. In diesem ist der Überwacher von den Überwachten getrennt. Sie interagieren über die visuellen und auditiven Schnittstellen, die ihnen ein Computer zur Verfügung stellt. Das Interface zeigt, für beide Seiten sichtbar, die Position der Überwachten, abstrahiert als Kreuz. Eine Statusanzeige gibt zusätzlich Auskunft über die Anzahl der verbleibenden Leben. Horizontale und vertikale Mauern stehen stellvertretend für die Präsenz des Überwachers und können flexibel positioniert werden. Ein weiteres Zeichen stellt das Icon eines Apfels dar.
Die Art und Weise wie die Beteiligten agieren ist durch Sanktionen beeinflusst. D.h. Kollisionen zwischen Kreuzen und Mauern werden mit akustischen Warnungen und dem Verlust von Leben bestraft. Das Erreichen des Apfels beendet die Interaktion. Ein weiteres Ende der Interaktion wird durch die reale Sanktion vollzogen. Sie tritt nach dem Verlust von zehn Leben in Kraft. Daraufhin werden die Überwachten von uniformiertem Personal aus dem Raum entfernt. Die Fehltritte im virtuellen Raum sind somit nicht frei von Sanktionen in der Realität.
Die hieraus resultierenden Wirkungen und Reaktionen bilden das Material für die Darstellungen auf Monitoren im äußeren Bereich.
Die Verhaltensweisen der Akteure haben unterschiedliche Formen angenommen. Es bestand dabei ein Machtgefälle im virtuellen Raum, das in einem realen Machtkampf resultierte. Für die Überwachten stand das Prinzip des Überlebens im virtuellen Raum im Vordergrund. Obwohl es keine realen Hindernisse gab, ließen sie sich von den Interventionsmitteln des Überwachers ihre Bewegungsfreiheit nehmen, in die Ecke drängen und taten alles, um ihr virtuelles Ich zu schützen. Eine Strategie war auch das Opfern von Leben, um aus einer Situation der Bedrängnis zu entkommen. Um sich kurzfristige Vorteile zu verschaffen, wurden Schwachstellen des Systems genutzt.
Strategien auf der Seite des Überwachers waren das Verlängern der Interaktion, die Blockade des Ziels, das systematische Auslöschen der virtuellen Charaktere, aber auch die Verweigerung der Intervention. Die Adaption der Strategie wurde je nach Gefahrenpotential der Gegner vorgenommen. Es waren die Koordinaten des abstrahierten Zeichens und nicht die Menschen, an denen er seine Aktionen ausrichtete. Für ihn wurde jedes Kreuz zum möglichen Täter. Die Überwachten jedoch sahen sich als Opfer und vergaben die Rolle des Täters an den Überwacher.
Unsere Installation zeigt das Verhältnis zwischen dem Wert des virtuellen Charakters und einer virtuellen Sanktion oder Konsequenz. Dem virtuellen Charakter fehlt die körperliche Präsenz, er ist reduziert auf wenige Zeichen und somit in einer Konfliktsituation sehr anfällig. Nimmt die Bedeutung des virtuellen Raumes für die Menschen, wie es Umberto Eco in "das Ende der Zeiten" beschreibt, zu, steigt der Wert aber auch das Gefährdungspotential des virtuellen Charakters.
Ausblicke:
Interessant wäre es nun herauszufinden in wie weit die beobachteten Verhaltensmuster sich ändern würden, gäbe man dem virtuellen Charakter mehr Informationen.
Spannend wäre es auch die räumliche Distanz zwischen Überwacher und Überwachten zu vergrößern und das Internet zur Interaktion zu nutzen.