Martin Hesselmeier, Karin Lingnau

SARoskop

Nominee of the digital sparks award 2008

University / department

Kunsthochschule für Medien Köln
Mediengestaltung

University URL

» http://www.khm.de

Project supervisor

Prof. Dr.- Ing.  Georg Trogemann

Supervisor commentary

Das SARoskop ist zuallererst ein ästhetisch überzeugendes Objekt aus 25 Einzelelementen, das – mit dünnen Stahldrähten zu einer Matrix verbunden – von der Decke des Raumes hängt. Die unabhängig arbeitenden Einzelelemente messen elektromagnetische Strahlungen im Frequenzbereich der Mobilfunknetze und übersetzen diese in eine horizontale Eigenbewegung. Abhängig von der Intensität der im Raum vorhandenen Strahlung wird eine mehr oder minder starke Eigenbewegung der Einzelobjekte ausgelöst, wodurch die gesamte Skulptur in eine unkoordinierte Schwingung versetzt wird.

Besonders bemerkenswert an dieser Arbeit ist das – scheinbar nebenbei – realisierte doppelte Interaktionsmuster. Der Besucher kann die Bewegung der Skulptur mit seinem eigenen Handy beeinflussen, indem er eine Nummer wählt und jemanden anruft. Ist nun die sofortige Bewegungsreaktion der Skulptur auf den Anruf die primäre Interaktion und der Anruf selbst die Sekundäre? Oder ist umgekehrt das Telefonat die primäre Interaktion und die Reaktion der Skulptur die Nebenwirkung? Insbesondere diese doppelte, sich gegenseitig bedingende und unaufdringliche Interaktion macht die Arbeit spannend.

Die beeindruckende Ausstellungsliste der letzten Monate, die den Erfolg der Arbeit auf internationaler Bühne dokumentiert, spricht für sich.

Course abstract

Die Arbeit ist keinem speziellen Seminar zuzuordnen, sondern spiegelt den projektorientierten Ansatz der Kunsthochschule für Medien (KHM) wieder, dessen Herausforderung u.a. ist: „Künstlerische Phantasie, theoretisches wie historisches Wissen und medientechnische Grundlegung des Ausdrucks - dieses dreifache Reibungsverhältnis produktiv zu gestalten und weiterzuentwickeln, stellt sowohl an die Studierenden als auch an die Lehrenden der Hochschule hohe Ansprüche. Sie arbeiten gemeinsam an der Verwirklichung eines Stücks Utopie: nämlich Prozesse und Sinnbezüge miteinander zu verbinden und zu integrieren, die in der alltäglichen Praxis der Medien immer wieder auseinander zu treiben drohen. Dazu gehört auch die gemeinsame Entwicklung einer medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist.“

Relation to the research area

Künstlerische und experimentelle Informatik

Die künstlerische und experimentelle Informatik an der Kunsthochschule für Medien versteht sich als Forschungsfreiraum, der insbesondere das Zusammenspiel neuer medientechnischer Methoden und sich verändernder kultureller Praxen erproben und analysieren will. Die hier stattfindenden künstlerischen und wissenschaftlichen Projekte starten sehr nah an den informatischen Codes und Interfaces und verlangen den Studierenden damit fundierte technische und wissenschaftliche Kenntnisse ab. Dahinter steht die Überzeugung, dass nur von dieser Basis ausgehend das neuartige ästhetische und dramaturgische Potential der Informations- und Kommunikationstechnologien untersucht und weiterentwickelt werden kann.