Florian Miosge

BLiNK _ DAS VERPASSTE BILD

Eine multidimensional echtzeit-analytische Videoinstallation

Nominiert für den
Digital Sparks Award 2006

BLiNK _ DAS VERPASSTE BILD

BLiNK _ DAS VERPASSTE BILD

Hochschule / Fachbereich

Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg
Montage

URL der Hochschule

» http://hff-potsdam.de

Betreuer des Projekts

Künslerische Mitarbeiterin Angelika Lepper

Kommentar des Betreuers

"Along these lines, it would be fascinating to take an infrared film of an audience and find out when and in what patterns people blink when they are watching a movie. My hunch is that if an audience is really in the grip of a film, they are going to be thinking (and therefore blinking) with the rhythm of the film." (Walter Murch, "In the blink of an eye", 1995.) Im zitierten Aufsatz von Walter Murch, seit Jahren einer der engsten Mitarbeiter Francis Ford Coppolas und u.a. verantwortlich für die Tongestaltung in "Apocalypse Now" sowie für die Montage diverser anderer seiner Filme, wird auf den Zusammenhang von menschlicher Wahrnehmung und dem unwillkürlichen, reflexhaften Blinzeln aufmerksam gemacht, das laut Murchs eigener Wahrnehmung seiner Entscheidungsfindung im Schneideraum vorausgeht und ihm selbst als dem ersten Zuschauer eines Filmes der zentrale Indikator für das Verstehen eines innerfilmischen Vorgangs, sei er nun experimentell/strukturell oder narrativ, zu sein scheint.

In Florian Miosges Projekt "BLiNK - das verpasste Bild" wird in einem entweder Echtzeit/Interaktions-Apparat oder einer Nach-Analyse-Anordnung dieser aus der künstlerischen Arbeit erwachsenen Beobachtung menschlicher Wahrnehmung nicht nur analytisch nachgegangen. Die Arbeit macht stattdessen den Prozess des Schauens und seiner Bedingungen für den Rezipienten nachvollziehbar und bringt das Sehen so in den Raum. Miosges Apparat zeichnet sich durch außerordentliche Originalität im Ansatz aus, der auf höchstem ästhetischen Niveau das Medium und seine Beschaffenheit untersucht. Die von ihm ausgewählten Filmbeispiele sind nicht nur interessant gewählt, sie sind auch in ihrer zeitlichen Abfolge, in der sie den Probanden präsentiert werden, als eine Form der medialen Auseinandersetzung zu verstehen. Der Künstler, der sich mit dem Bauen des Ganzen beschäftigt, zerpflückt das Medium wieder in seine einzelnen semiotischen Bestandteile und wählt Beispiele, bei denen jeweils der sensuelle Affekt, die rhythmische Ordnung, der hypnotische Sog oder die Regeln des Mediums überwiegen. Diese Sinnzusammenhänge bringt Miosge innerhalb der Installation in eine neue Ordnung, die wiederum Werkscharakter hat. Ein so geschaffenes Untersuchungsfeld entwickelt für den Probanden wieder eine eigene nachzuvollziehende Struktur, von der er sich gefangen nehmen lässt. Die unwillkürliche Reaktion wird zum Trigger der künstlerischen Untersuchung.

Seminar / Kurzbeschreibung

Im Wintersemester 05/06 gingen wir in meinem Seminar "Man_Machine" , der Frage nach, inwiefern in filmischen wie auch tatsächlichen medizintechnischen bzw. wissenschaftlichen Apparaturen Möglichkeiten der ästhetischen Auswertung stecken und inwiefern diese in konkrete, interaktiv/mediale Projekte verarbeitet werden können. In diesem Zusammenhang versuchten wir den Prozess der künstlerischen Montage weiter zu fassen und damit jede Entscheidung über die Verwendung von Medien, sei es in einer strukturellen oder dramaturgischen Logik des Materials, kritisch zu hinterfragen und anhand dieser Ergebnisse installative Echtzeitprojekte zu entwickeln. Nach diversen Zusammenarbeiten mit Partnern aus Wissenschaft und Technik (Dipl.Psych. Antje Kraft, Charité, Berlin; Dipl.Ing. Arnd Rose, Senso Motoric Instruments, Teltow; Jeremy Bernstein, Künstler und Programmierer, Berlin) entwickelten die StudentInnen eigene Ideen anhand eines Augenbewegungsmessgerätes als konkretem Interface für die Untersuchung von Kontexten der menschlichen Wahrnehmung und der daraus folgenden künstlerischen Entscheidungsfindung.

Zuordnung Forschungsbereich

Das Seminar "Man_Machine" fand im Wintersemester 05/06 innerhalb des Moduls "Montageforschung" des Studiengangs Montage an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" statt, das sich mit der projektbezogenen Untersuchung zeitbasierter Medien und deren Konstruktion beschäftigt. Im Wintersemester stehen die Seminare im Studiengang unter dem größer gefassten Forschungszusammenhang, der nicht mehr ausschließlich horizontal, längs einer Zeitachse zu verstehenden künstlerischen Tätigkeit der Montage, sondern eines multidimensionalen, auch interaktiven Montageverständnisses. Das Seminar schloss mit einem Schein für ein erstelltes Projekt für die StudentInnen des Hauptstudiums ab.