Stefan  Demming

Low Resolution Cinema

Installation für öffentliche Räume

Nominee of the digital sparks award 2006

LRC, seitlich

LRC, seitlich

Media Files

Content Description

Während immer hochauflösendere Bildformate im Fernsehen und Videobereich Einzug halten, geht es in "Low Resolution Cinema" zunächst um die radikale Verringerrung der Bildqualität eines Films auf drei mal vier Pixel. Diese abstrahierte Filmversion wird auf plastische Glühbirnen in Halterungen, wie sie auch für Keller- und Aussenbeleuchtungen verwendet werden, übertragen. Ein solches Licht mit nicht vorhersehbaren Intensitäten und Schwächen gleicht darin manchmal einem Blatt im Wind. Die Lichter untereinander scheinen aber manchmal auch voneinander abhängig oder miteinander vernetzt zu sein: ein Schnitt im Ursprungsfilm lässt alle Lichter auf einmal reagieren, ein sich durch den Bildausschnitt bewegender Gegenstand oder Mensch macht die Nachbarschaft der „Pixelbirnen“ beobachtbar.

"Low Resolution Cinema" kann als poetisches Dispositiv verstanden werden, um aus Filmen Lichtskulpturen zu machen. Der zugehörige Soundtrack gewinnt dabei an Autonomie als Hörspiel. Stärker als Projektionen oder (herkömmliche) Displays strahlt das durch die Glühbirnen erzeugte Licht auf die Umgebung und kann so Orte bespielen.

Mit "Low Resolution Cinema" können unterschiedliche Filme gezeigt werden, bestenfalls mit einem ortspezifischen Bezug.
Die erste (und bisher einzige) Aufführung sollte in Riga (Lettland), der Partnerstadt Bremens, anläßlich eines Videofestivals stattfinden.
Hier sollte der „GAK-Satellit“ landen, ein Projekt, das Bremer KünstlerInnen in andere Länder schickt. Ursula Frohne von der IUB Bremen war die Kuratorin dieses Projekts.

Da ich für "Low Resolution Cinema" einen Film wählen wollte, dessen Soundtrack die meisten Menschen dort verstehen sollten, recherchierte ich zum lettischen Film. Dabei stieß ich auf die (im Nachhinein) sogenannte „Rigaer Schule des poetischen Dokumentarfilms“ (Riga school of poetic documentary). Besonders faszinierte mich darunter „235.000.000“, in dem Uldis Brauns 1967 nach einem Drehbuch von Herz Frank versuchte, ein kollektives Portrait der Menschen in dem damaligen Vielvölkerstaat UDSSR zu entwerfen. Entscheidend dabei war der filmische Blick auf die Menschen selbst, die als Persönlichkeiten wahrgenommen wurden. Erklärender Off-Kommentar hingegen fehlt völlig, allein einige Sätze Russisch und sogar Deutsch sind bei einem Treffen von Staatsrepräsentaten zu vernehmen.

Die Suche nach dem Film in Riga brachte mich über das Filmmuseum und eine Produktionsfirma zum Kinematografischem Institut (Latvian National Cinematography Centre), wo mir Andrejs Apsitis schliesslich die Genehmigung zur Verwendung des Films für "Low Resolution Cinema" von Uldis Brauns persönlich per Telefon besorgte. Andrejs kommentierte dann auch den Film während wir ihn uns ansahen und ich ihn für "Low Resolution Cinema" abfilmte.

So transformierte ich nicht nur den 35mm-Film im Stil einer Raubkopie auf Video, sondern konnte auch persönliche Ausschnitte wählen. Ausserdem collagierten sich die gesprochenen Hintergrundinformationen in den Soundtrack, wodurch in der Installation auch der Film, der nicht mehr erkennbar ist, beschrieben wird.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort fand ich ein grosses, graues leerstehendes Universitätsgebäude mit Spritzbetonfassade aus den Siebziger Jahren. Es war neben dem Rathaus, zentral in der ansonsten recht aufgemotzten Rigaer Innenstadt gelegen.

Ursprünglich wollte ich auch einen Low Resolution Sound über ältere „Propagandahörner“, Aussenlautsprecher wie sie auch auf Booten oder in Werkshallen verwendet werden, verwenden. Leider waren diese in Riga aber nicht mehr zu finden.