Michael Hieke

Raum-Farbe-Kommunikation

Kommunikation mit Farben von Objekten als Zeichensystem

Screenshot eines Teilnehmers

Screenshot eines Teilnehmers

Hochschule / Fachbereich

Fachhochschule Schwäbisch Hall
Mediengestaltung

URL der Hochschule

» http://fhsh.de

Betreuer des Projekts

Prof. Dr. phil. Martin Koeppl

Kommentar des Betreuers

Die Arbeit "Raum-Farbe-Kommunikation" von Michael Hieke ist eine netzbasierte experimentelle Vorrichtung zur Hinterfragung des Verhältnisses von Wort und Welt, anhand der Konkretheit und gleichzeitigen Diskutierbarkeit von Farben.
Die Kommunikation beginnt für alle Teilnehmer mit reellen Objekten an dem Ort, an dem die Teilnehmer sich während des Chats befinden. Sie weisen ausgewählten Objekten (oder Oberflächen) und deren Worten Farben zu. Diese Objekte sind in ihrer Bedeutung fix, solange kein anderer Teilnehmer ein gleiches Objekt (=Wort) ebenfalls farblich festlegt. In diesem Fall berechnet die Vorrichtung aus beiden Festlegungen einen Mittelwert. Dieser stellt den berechneten Konsens aus zuvor unterschiedlichen Konventionen (Wort-Farb-Paarungen) dar.

Die nichtdefinierten Wort-Farb-Paarungen werden durch einen Erkennungsalgorithmus aufgrund von Wortähnlichkeiten abgeleitet und angepaßt und pendeln sich durch wiederholte Nutzung auf einer „Bedeutung“ ein.

Durch diesen Konsens-Algorithmus bedient sich das Projekt der linguistischen Grundeinsicht, dass Wort-Bedeutungs-Zuweisungen zuallererst willkürlich sein können und durch wiederholten gemeinschaftlichen Gebrauch in Ihrer Bedeutung fixiert werden.

Die Anwendung funktioniert auch, wenn nur ein Nutzer eingeloggt ist, da sich von vorherigen Sessions bereits ein Wörterbuch gebildet hat. Am eindrucksvollsten funktioniert sie jedoch, wenn mindestens zwei oder, noch besser, mehr Spieler sich an einer Raum-Farbe-Kommunikations-Session beteiligen. Die Hinterfragung der Indexikalischen Natur der Sprache, sowie des Verschiebens von Bedeutungen über Zeit, wie auch der gleichzeitigen Entkörperung der Mitteilungseinheiten während des Kommunikationsvorgangs (Chats) gelingt hier durch die Unmittelbarkeit der Reaktionen von anderen Teilnehmern. Diese Hinterfragung führt am Ende reflektiert zurück zur farblichen Konkretheit der Objekte in den Räumlichkeiten der Chat-Umgebung der teilnehmenden Kommunikanden.

Die animierte graphische Darstellung verzögert die Bedeutungs-Auflösung von Wort-Farb-Paaren und unterstützt somit die Darstellung der Wort-Welt-Bedeutungsproblematik. Die Graphik ist klar, geradezu minimalistisch, und besticht durch ihr Understatement hinsichtlich des technischen Aufwandes, der hinter diesem Projekt steht. Der Student plant, dieses Projekt durch einen kombiniert graphisch-verbalen Log zu komplementieren.

Seminar / Kurzbeschreibung

Bachelor-Vorprüfungsarbeit (3.Sem.)

Zuordnung Forschungsbereich

Interactive Visual Design & Hypermedia Semantics