Michael Hieke

Raum-Farbe-Kommunikation

Kommunikation mit Farben von Objekten als Zeichensystem

Screenshot eines Teilnehmers

Screenshot eines Teilnehmers

Inhaltliche Beschreibung

Farben in unserer Umgebung spielen eine große Rolle. Fast immer werden sie mit greifbaren Gegenständen und Objekten assoziiert. Deshalb reicht Farbe, dargestellt als Fläche im virtuellen Raum aus, um Schritt für Schritt eine Kommunikationsbasis aufzubauen und so einfache Gespräche zu führen.

Grundlage einer erfolgreichen Kommunikation ist immer ein Codierungs- bzw. Zeichensystem, welches sowohl dem Sender als auch dem Empfänger einer Nachricht bekannt sein muss.

Bei der Unterhaltung ist es deshalb hilfreich, sich auf Dinge zu beschränken, die der Gesprächspartner ebenfalls sehen kann, oder wenigstens auch kennt.

Dieses Projekt wurde in Form eines Internet-Chat realisiert, da so das Zeichensystem festgelegt werden konnte, das alle Gesprächspartner zur Nachrichtenübermittlung verwenden müssen. Wie bei einem gewöhnlichem Chat, gibt der Nutzer seine Nachricht in ein Eingabefeld ein.

Das System übersetzt die einzelnen Wörter, aber nun in Farben und zeigt vorerst nur diese in Form von Rechtecken an.

Das Besondere ist, dass die Zuordnung nicht von mir festgelegt wurde, sondern die Nutzer selbst jederzeit Objekt-Farb-Relationen erstellen können. Diese Definitionen werden sofort wirksam. Durch die Animation der Farb-Flächen, entstehen durch die Unterhaltung gestalterisch interessante Kompositionen auf dem Bildschirm. Wie bei einem gewöhnlichem Chat sehen alle angemeldeten Benutzer dasselbe Bild.

Die Anwender können versuchen, sich eine eigene Kommunikationsbasis zu schaffen und diese Wort für Wort zu erweitern. Trotzdem hat auch ein später eingetroffener Gesprächsteilnehmer die Möglichkeit, diese Basis nachzulernen. Deshalb erscheint auch die textuelle Form der Unterhaltung, als Auflösung – allerdings stark verzögert.

Hat man das Zeichensystem bereits gelernt, kann man die Nachricht gleich verstehen und sofort reagieren. Falls nicht, muß gewartet werden bis der Text neben dem zugehörigen Rechteck erscheint.

Bei unbekannten Wörtern durchsucht das System die Liste von definierten Begriffen nach ähnlich-klingenden, und mischt die Farben der besten Treffer. Zusätzlich werden diese noch nicht definierten Wörter ebenfalls gespeichert, und dem Benutzer angezeigt, der so effektiv den Bestand erweitern kann.

Einen Sonderfall stellen Begriffe mit weniger als 4 Buchstaben dar, denen nicht automatisch Farben zugeordnet werden. Grund dafür sind die vielen Konjunktionen und Artikel, sowohl im Deutschen als auch im Englischen, denen kaum eine Farbe zugewiesen werden kann – die aber evtl. zur Kommunikation notwendig sind. (z.B. IM, EIN, DER, DIE, DAS, UND, THE, AND, OR, A, SO, ...) Trotzdem kann ein Benutzer jederzeit manuell, z.B. dem Wort „ROT“ eine Farbe zuweisen.

Definitionen können aber auch von anderen korrigiert werden, wodurch Mischfarben entstehen. Mehrfachdefinitionen werden Gewichtet: Wurde z.B. „Himmel“ bereits 20 mal blau definiert, ändert sich bei einer Neudefinition auch nur der 20ste Teil der Farbe.

Die Größe der Farbflächen spiegelt die Wortlänge wieder. Ist der Bildschirmbereich voll, gleiten die Rechtecke, ähnlich den Buchstaben einer Laufschrift, nach links weg. Sie versuchen sich auszuweichen, überholen sich möglicherweise kurzzeitig, aber halten sich dann wieder an ihre chronologische Reihenfolge.

Ergebnis ist nicht nur eine Kommunikation, sondern auch eine sich ständig ändernde Graphik, die von mehreren Menschen gestaltet wurde.

Im Laufe der Zeit entsteht ein Nachschlagewerk, das zu einem realen Gegenstand die mehrheitlich assoziierte Farbe am Bildschirm anzeigt.

Suchen Sie sich ein paar Dinge in ihrem Zimmer oder Wohnung aus, und definieren Sie diese! Einer Raum-Farbe-Kommunikation steht jetzt nichts mehr im Weg!