Inhaltliche Beschreibung
Anhand eines exemplarischen Exponats - einem afrikanischen Königsthron – wurde ein Touchscreen-Prototyp entwickelt, mit dem sich Ausstellungsbesucher interaktiv mit dem Exponat und seinen vielfältigen Kontexten auseinandersetzen können. Anhand eines modular aufgebauten Interface und diversen Medien-Modulen kann das System für eine Vielzahl von Exponaten individuell und einfach angepasst werden.
Die entwickelten Module ermöglichen den einfachen Abruf von Text-, Bild- und Videomaterial, sowie eine interaktive Auseinandersetzung mit 3D-Animationen, Bildanalyse-Tools, Timelines, Verknüpfungen, etc.. Darüber hinaus kann der Besucher auch eigene Kommentare abgeben, Quizfragen beantworten, sowie die abgerufene Information für spätere Zwecke in seinem Besucherprofil abspeichern. Die inhaltliche Struktur der Terminals ist dabei so aufgebaut, dass lediglich die Inhalte der Module angepasst werden, ohne das Interface jedes Mal neu programmieren zu müssen. Die einzelnen Terminals können als System vernetzt und somit zentral gesteuert und aktualisiert werden.
Prägnante Fragen zum ausgestellten Objekt dienen dabei als kognitive Reize, die den neugierigen Besucher anregen, die dahinter liegende Information zu erkunden. Die Präsentation der Information ist gezielt darauf ausgerichtet, dass die Beschäftigung mit dem Exponat und dessen Analyse kontinuierlich aufrecht erhalten wird, wobei der Besucher die Detailtiefe der angebotenen Informationseinheiten durch seine Auswahl aktiv steuert. Somit werden insbesondere die unterschiedlichen Bedürfnisse des vielschichtigen Museumspublikums berücksichtigt (unterschiedliche Informationsniveaus, variable Tiefe).
Zur Aufbereitung und Auswahl der exemplarischen Inhalte des Prototypen wurde eine, auf Personas basierende Entwurfsmethode entwickelt, die einen zukünftigen inhaltlichen Arbeitsprozess anleitet und erleichtert.
Der gesamte Entwurf basiert auf einer theoretischen Analyse der Rezeptionssituation innerhalb der Ausstellung, sowie dem Prozess der Exponatwahrnehmung, wobei hierzu auf Erkenntnisse aus Kognitions- und Wahrnehmungspsychologie zurück gegriffen wird. Das Touchscreen-Interface wurde diesen Anforderungen angepasst und darüber hinaus auf spezifische Usability-Kriterien (z.B. Lesbarkeit von Text, eindeutige Kennzeichnung der Schaltflächen, etc.) hin erarbeitet.
Um in der komplexen Reizumgebung der Ausstellung die Bedienung sowie das Verständnis der Information zu erleichtern, wird eine dynamische Menüstruktur ähnlich der sog. Zoomable User Interfaces eingesetzt. Hierbei fokussiert das Menü jeweils den vom Benutzer ausgewählten Bereich in einer dynamischen Animation ohne visuelle Brüche. So erleichtert sich das mentale Mapping der Informationsstruktur, die sich innerhalb von Museumsausstellungen häufig 'im Vorbeigehen' und von einem vielschichtigen Publikum bedienen lassen muss.
Das Informationssystem entspricht dem Konzept einer 'analytischen Interaktion', die die Exponatwahrnehmung um interaktive Handlungselemente, sowie abstrakt-verbale Auseinandersetzung erweitert. Die Wechselwirkung und Kombination dieser drei Analysemodi ermöglicht eine variable Rezeption auf unterschiedlichen Lernkanälen und erzeugt somit eine umfassende Verankerung des aufgenommenen Wissens.


