Markus Kison

Roermond-Ecke-Schönhauser

Creating Live-Miniatures of distant Realities

Gewinner Digital Sparks Award 2006

Live-Modell vom Marktplatz in Roermond, Holland

Live-Modell vom Marktplatz in Roermond, Holland

Hochschule / Fachbereich

Universität der Künste Berlin
Visuelle Kommunikation

URL der Hochschule

» http://www.udk-berlin.de

Betreuer des Projekts

Prof. Kora Kimpel

Kommentar des Betreuers

Markus Kison hat sich in seiner Arbeit "Roermond-Ecke-Schönhauser" mit verschiedene Phänomene des digitalen Mediums beschäftigt, wie z.B. Webcams, Datenstreaming, öffentliche Privatsphäre, Kameraüberwachung oder der Gleichzeitigkeit von Orten und Kulturen. Seine Untersuchung dieser Phänomene ist erstmal spielerisch und beobachtend, er lässt den Betrachter Teil haben an seinen Reflexionen, ohne zu werten. Die Arbeit ist offen und lässt eine Menge an Interpretationsmöglichkeiten zu. Man kann sie als Kritik am Medienzeitalter verstehen, das Formate von Big Brother bis Live- Kriegsberichterstattung bietet, die sich eben auch dieser Phänomene bedienen. Man kann die Arbeit aber auch poetisch verstehen, die Miniaturen erinnern an Zauberkugeln aus Märchen mit denen man auf magische Weise in die Welt anderer blicken kann.

Die Arbeit 'Roermond-Ecke-Schönhauser' übt einen hohen ästhetischen Reiz auf den Betrachter aus, man kann sich ihr nur schwer entziehen. Das liegt natürlich zum einen an der Miniaturisierung der realen Welt, ein ästhetische Moment das schon Generationen von Modelleisenbahnern fasziniert hat, es gibt unzählige Beispiele hierfür. Aber es sind nicht nur die bewegten kleinen Objekte, es ist auch das Wissen um die Wahrnehmung von verschiedenen Zeitströmen gleichzeitig, die dem Betrachter ein Gefühl von Mächtigkeit geben. Das Szenario wirkt wie kleine Theaterkulissen. Im alten Griechenland gab es die Kultur gleichzeitig auf verschiedenen Bühnen Stücke aufzuführen, der Besucher wanderte von einer Bühne zur anderen. So wandert der Blick des Betrachters von einer 'Bühne' oder Webcam zur anderen. Die trivialen Bilder der Webcams werden plötzlich zu Inszenierungen die untereinander einen nicht sichtbaren Zusammenhang bilden.

Die Arbeit ist in ihrer technischen Umsetzung hervorragend gelöst. Zum einen bleibt die Arbeit rein digital, der kontinuierliche Datenfluss reisst somit nicht ab. Der Stream der Daten aus dem Netz geht in den Rechner und wird über einen 3D-Plotter ausgegeben, die Modelle wiederum digital projiziert. Es gibt an keiner Stelle einen Medienbruch. Die Projektion ist elegant gelöst, mittels vier Spiegeln wird die Projektion gesplittet, dadurch werden weitere Projektoren überflüssig.

Eine Besonderheit des Projektes ist eine der Webcams, die aus dem Rahmen fällt, weil sie sich im Hinterhof des Künstlers befindet, von ihm selbst installiert ist. Er wird damit Teil seines Projektes und in seiner Präsentation lässt er diese Privatsphäre auch teilnehmen. Er hat verschiedene Situationen kreiert, in denen eine ihm bekannte Person in seiner Installation sichtbar wird. Über mobile Telefone konnte so Kontakt entstehen, die Wirkung ist beachtlich, wenn man realisiert, dass der miniaturisierte Mensch in dem Modell tatsächlich in diesem Moment mit seiner Sprache Teil der realen Installation wird.

Seminar / Kurzbeschreibung

Die Arbeit ist ein Vordiplom, das im Studiengang Visuelle Kommunikation üblicherweise im vierten Semester gemacht wird. Sie ist entstanden im Rahmen des Projektbereiches „Digitales Gestalten”, der von mir im Grundlagenstudium (bis zum vierten Semester) betreut wird, im Hauptstudium von Prof. Joachim Sauter.

Zuordnung Forschungsbereich

Der Projektbereich „Digitales Gestalten” ist dem „Institut für Zeitbasierte Medien” zugeordnet.