Manfred KETONGE Ruecker

Klangräume

Bildende kunst und experimentelle Musik

Nominiert für den
Digital Sparks Award 2006

The day I play god

The day I play god

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Inhaltliche Beschreibung

Die Arbeit ist als Installation aufgebaut. Die Installation besteht aus einer technischen Seite von zwei Computern und einer mehrkanaligen Verstärkermischpultanlage, welche mehrkanalig zu den jeweiligen Klangräumen steuert. Als Klang und Musik dient mein seit 1994 angelegtes Archiv, dass ausschließlich von mir komponierte Musik, Klänge und Videos beinhaltet. Dieses Archiv hat etwa einen Umfang von 500 Gigabyte (entspr. 1/2 Terrabyte). Mit dieser grossen Menge an Daten wird künstlerisch gearbeitet, wobei die traditionelle Stimmführung auf die elektronische Musik angewendet wird. Es entstehen unterschiedlich dichte Masseverhältnisse von Klang, die jeweils auf die physischen Klangkörper als Resonanzraum wirken. So ist in bisherigen Aufführungen unterschiedliche Klangcharakteristik durch Materialeigenschaft erlebt worden. Einmal klingt ein relativ kleiner Raum (50cm3) sehr voluminös, da der Klang das Material Gips in wellenförmig, chaotischer Struktur als Verstärker benutzt. So kennt man Verfahren von z.B. der Firma Bose, die kleine Lautsprecher durch entsprechende kurze, berechnete Röhren schicken, um den Klang groß zu dimensionieren. Ziel bei meiner Musik ist ein Zustand von unterschiedlicher Dichtehäufikeit von Klang in Räumen, welche wiederum in Räumen (Austellungsräume) stehen. Diese verhalten sich mit ihrer Klangeigenschaft jedesmal unterschiedlich, da die Klangräume auf die umliegende Umgebung reagiert. Die veränderte Obertonstruktur sorgt hierfür für eine instrumentale Eigenschaft der einzelnen Räume, vergleichbar mit einem Orchester, in welchem die stimmen unterschiedliche Klangfarben besitzen und doch auf ein Konzertstück agieren und reagieren. Das Bindeglied in meiner Arbeit ist die Tatsache, dass jegliche Musik, die in den Räumen erklingt, auch von mir komponiert wurde (außer kurzen Zitaten). Seit 1994 und einem Kompositionsstudium vor meinem Kunststudium versuche ich die tönendende und bildende Welt in methodisch ähnlicher Weise(durch den sogenannten Schichtenaufbau) zu vereinigen. Die Tatsache, dass Kunst und Musik immer noch als meist getrennte Gebiete aufgefasst werden, erleichtert bei z.B. Finanzierungsfragen nicht meine Arbeit. Diese Vereinigung von Kunst und Musik soll nicht auf eine rein effekthafte Arbeitsweise entstehen, wie sie zur Zeit im Trend liegt, sondern das Verinnerlichen und Begreifen von zwei Gebieten (mit entsprechendem Kenntnisstand)sind Grundlage für meinen Versuch. So ist es heute in der Kunst üblich, sich der Musik als Materiallager für die bildende Arbeit zu nähern und zu bedienen, ohne beispielsweise selbst ein klassisches Instrument zu spielen.
Dagegen versuche ich gründlich anzugehen. Meine Hypothese lautet:
Musik kann Teil der bildenden Kunst sein.

weiter in der darstellung der installation:

die klangräume erhalten zusätzlich noch eine videospur, in welcher sich geschichtetes, komponiertes bildmaterial befindet. dieses bild-
material ist mit dem ziel gestaltet, sich mit dem bildmedium video der elektronischen musik zu nähern. methodisch sind augmenationen, krebse, vielstimmigkeit sowie kontrapunkte in das bildmaterial eingearbeitet. die bildquelle wird hier als stimme einer grossen musik verstanden, die auf die anderen bild(stimmen) regaiert. diese reaktion kann nach bestimmten regeln erfolgen (z.b. von mir definierte stimmführungsregeln wie dichte, zeitvakuum) oder sich selbst überlassen, improvisatorisch, aleatorisch reagieren. so kann ein mitspieler mit dem klang- und bildmaterial wie ein musiker arbeiten. die schichten werden über die festplatte eingespielt und in einen programmierbaren generator geleitet. dort kann der spieler auf 127 x 127 moeglichkeiten der beeinflussung des klanges und zum teil auf das bild zurückgreifen. die spieleranzahl ist nur durch die möglichkeiten der technik und der ökonomischen seite begrenzt. dem rezpienten kann je nach kenntnisstand eine kakophonisch, wilde, bis einfach schöne struktur präsentiert werden. es gibt einen sogeannten dirigenten, der über das zentrale mischpult all diese erreignisse steuert (volumen, klanganteil, kanalbestimmung)in einigen aufführungen habe ich auch alleine oder mit nur ein bis drei personen gespielt. die mitspieler müssen auf diese art des musizierens trainiert sein. die einzelnen klangräume sind in bildnerischer absicht gestaltet. so ergab und ergiebt sich hier ein spannungsfeld von technischer notwendigkeit und kuenstlerischem form-willen. in zukunft werden sich je nach ökonomischen bedingungen die klangräume vergrössern. die masse eines lastwagens oder eines ozeandampfers in form eines archtitektonischen klangraumes, der durch entsprechend grosse lautsprecher mit extren hohem schalldruck bespielt wird ist hier ebenso meine vision, wie beispielsweise unterwasserxperimente in kernkraftanlagen mit plutoniumbecken, die visuell betrachtet, genau die angst verbreiten, welche sich durch den einsatz einer sehr hohen schallquelle in eben diesen becken ergiebt. (ich entschuldige meine sprache, aber ich schreibe hier von visuellen träumen, die mir sagen, dass diese in natura eine neue betrachtung der klanglichkeit auf die physikalität von räumen ergeben.
2.
Die Installation ist in mehrere Räume aufgeteilt. Diese Räume sind über ein Mehrkanalmischpult mit Verstärker, welche zu Lautsprechern
in den Räumen führen, verbunden. Die Quellen sind zwei Computer mit externen Festplatten (500 Gigabyte) die in das Mischpult führen. Über die mehrkanalige Ausgabe erfolgt eine Metakomposition, die auf die Räume abgestimmt ist.Zu dieser Szenerie aus Technik und Objekten
werden Live-Musiker als performatives Element eingebunden. Diese spielen eine komponierte instrumentale Schicht. Daneben kann als eine zusätzliche Stimme im orchstralen Gesamtkunstwerk die visuelle Komponente aus dem bereich video / malen mit elektronen miteinfliessen (ausführlicher im inhalt).
theoretisch versuche ich dass durch stanislav lem angeregte konzept in seinen sterntagebüchern (insb. prof. a. donda) gehäufte information als geschichtetes modell für die entstehung von materie zu orten.
so wende ich dass konzept der informationsverdichtung zur massebildung auf die bildende kunst und musik an, um dort mittels vielstimmigkeit und konzentration von klang die zeitebene zu strecken. so wurde beispielsweise von m. heidegger der permatente zeitfluss beschrieben, der uns wiederholungen unmöglich macht. er schreibt, dass viele unserer tagtäglichen bemühungen viel mit dem unbewussten impuls zu tun haben, die zeit so zu gestalten, dass wir psychologisch den eindruck haben, kontrolle über dies abstraktum zu besitzen. mein künstlerischer ansatz und dessen experimentelle exploration verfolgt das ziel die zeitebene, mittels einer mentalen zeitmaschine zu verlangsamen. mittel zum zweck ist hierbei die methode der schichtung, welche analog zum lem`schen modell die schichtung auf die verlangsamung der zeit anwendet.