Florian Wieser, Lukas Schmid

reality.i.am

Viel Spaß in ihrer Wirklichkeit

reality.i.am

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Content Description

"reality.i.am" entstand aus der Idee heraus, dass Realität im Auge des Betrachters entsteht und sich Medienproduzenten dessen sehr wohl bewusst sind. Unser (Pseudo-)Produkt "reality.scout" will sich gezielt vom objektiven Realitätsanspruch distanzieren. Er geht von einer subjektiven Realität aus!
"reality.i.am" konzentriert sich dabei auf die Verkäufer der Realität, sogenannte Realitätsanbieter: Medien. Sie sind gezwungen, Inhalten eine Form zu geben (Design) und beschreiben dabei ihren Wirklichkeitsanspruch. Da Design aber ein subjektiver oder gar ein verkaufsorientierter Prozess ist, kann sich die Realität einer Färbung nicht entziehen. Der informationshungrige Konsument muss sich also in einer Vielfalt von Realitäts-Designs oder schlicht Realitäten bewegen: Eine Vielfalt, wie sie auch unsere Buttons widerspiegelt.
"reality.i.am" ist sich bewusst, dass der "reality.scout" kein reales Hilfsmittel ist, Realitätsdesign persönlich zuzuordnen. Aber die Annahme der Existenz eines solchen Dienstleisters, wie auch der bestätigte Verdacht eines existierenden Realitätsdesigns, soll auf Seiten des Users medienreflexive Prozesse auslösen und im repetitiven Durchlauf ein von Informationsanbietern praktiziertes Infodesign entlarven.
Der "reality.scout" schärft die Medienkompetenz seines Users. Die "click me"-Buttons des "reality.scouts" erheben den Anspruch, die Bildercodes des Infodesigns transparent zu machen. Durch die Wahl der designten Buttons, die verschiedenste Infodesigns repräsentieren, und durch den Vergleich des Designs der erzielten Endresultate, lernt der User, dass Information in ihrer optischen Aufbereitung nicht nur einer Interpretation, sondern auch einer Transformation unterliegt.
Dieser Prozess wird unterstützt durch das System, das sich der "reality.scout" im Hintergrund zunutze macht. Die Buttons entsprechen dem Infodesign von aktuellen Medienanbietern. Die Bandbreite dieser ist von "reality.i.am" nach unterschiedlichsten Kriterien bewertet worden. Ein dreifacher Klick ermöglicht dem "reality.scout", die Schnittmenge der drei in einem Treffer zu konzentrieren. Ein User kann also in einer Dreifaltigkeit ermitteln, wie Infodesign und Realitätsdesign zusammenhängen. (Ein dreifacher Klick auf ein identisches Logo führt auch zum entsprechenden Infodesign des dazugehörigen Medienproduzenten).
Doch Design meint nicht nur Form, auch Inhalte werden designt. Das Repetieren des kompletten Vorgangs führt den User auf immer neue Seiten von unterschiedlichsten Medienproduzenten. Da diese Seiten tagtäglich den Tagesgeschehnissen entsprechend aktualisiert werden, unterscheiden sich ihre Topstories nur minimal.
Der User wird beim Wiederholen der Selektion bemerken, dass direkte Rückschlüsse von Design auf Inhalte keine Täuschung sind. Eine multiple Darstellung von Realitäten springt ins Auge. Ein Medium wird immer versuchen, dem sich selbst auferlegten Infodesign gerecht zu werden.
"reality.scout" ist ein formales Experiment. Durch aufwendiges Design versucht er Inhalte zu vermitteln, die ohne Interpretation keine sind. So wird der "reality.scout" zu einer Metapher der Medienlandschaft.